Die Begegnung zweier Diven

Angelika Kirchschlager und Rufus Wainwright gastierten im Forum/Ludwigsburg

 

Ein Event der ganz besonderen Art fand am 14. Juni 2015 im Rahmen der Schlossfestspiele in Ludwigsburg statt. Die österreichische Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager und der amerikanisch-kanadische Singer-Songwriter Rufus Wainwright konzertierten gemeinsam im Forum.

Ein nicht gerade einfaches Projekt, was sich die beiden Weltstars vorgenommen hatten, das jeweilige Repertoire des anderen zu interpretieren und nicht zu kopieren. Den ersten Teil des Abends bestritt Angelika Kirchschlager mit einem Zyklus aus "All days are nights: Songs for Lulu". Die 800 Zuschauer erlebten eine Meisterleistung, die ihres Gleichen sucht. Sich selbst ganz nahe und konzentriert hauchte sie den Stücken wie „Who are you, New York“ oder „The dream“ Leben ein und machte aus diesen Liedern eine konzertante Aufführung einer Oper. Sie setzte das um, was Wainwright mit den Liedern beabsichtigt hatte. Er schrieb die Titel 2010 nachdem seine Mutter gestorben war und bewältigte damit seine Trauer. Kirchschlagers warmer und lyrischer Mezzosopran hatte genau die Sensibilität die „Songs for Lulu“ brauchte. Da der Spannungsbogen zwischen den Titeln nicht durchbrochen werden sollte, bat man das Publikum erst am Ende ihrer Vorträge zu applaudieren. Angelika Kirchschlager verzichtete auf jede Attitüde, war hochkonzentriert und fühlte sich dennoch sichtlich wohl mit dem Genrewechsel. Einmal mehr bewies sie ihre Vielseitigkeit. Unter tosendem Beifall verließ die Künstlerin die Bühne.

Glücklich nach dem Konzert: Angelika Kirchschlager

Nach der Pause betrat Rufus Wainwright das Geschehen und wagte sich  an Hector Berlioz' Liederzyklus "Les nuits d'été". Bereits bei der ersten Arie „Villanelle“ musste er aber erkennen, dass sein Stimmvolumen nicht immer ausreichte.  So sicher wie man Angelika Kirchschläger im ersten Teil erlebte, so unsicher wirkte Wainwright als Opernsänger, trat immer wieder aus seinem eigenen Ich heraus und versuchte die Operndiva zu geben. Alles, was in seinen Solokonzerten mühelos gelingt wie professionelles Entertainment, Clownerie und das Versprühen von Charme, hat in diesem Programmteil nicht ganz funktioniert. Der abschließende freundliche Applaus war lediglich eine Sympathiebekundung für den Weltstar.

Nach dem Konzert ging es direkt zur Premierenfeier, auf die sich Rufus Wainwright freute

Im dritten Teil des Programms traten nun beide Sänger gemeinsam auf. Kurt Weills „Zuhälterballade“ sangen beide auf Deutsch, sehr zum Vergnügen des Publikums. Sein phonetisch gelerntes Deutsch überspielte Rufus mit viel Witz und Charme. Das Glanzstück war Piafs „No, je ne regrette rien“, das Wainwright sang. Angelika Kirchschlager brachte sich mit Georg Friedrich Händels "Lascia ch'io pianga" in seinen Vortrag ein. Ein Kunstgriff, zwei Lieder zu einem zu machen.  Am Ende des Abends gab es stehenden Beifall des Publikums für Angelika Kirchschlager und Rufus Wainwright und deren Pianistin Sarah Tysman. Ohne zwei weitere Zugaben ließen die Zuschauer ihre Akteure aber nicht von der Bühne. Den Abschluss bildete dann Leonard Cohens „Hallelujah“. Hier stand nun die Künstlerin wieder im Vordergrund und Rufus begleitete sie sensibel am Flügel.

 

Der Abend hat in vielerlei Hinsicht bewiesen, dass die künstlich gezogenen Grenzen zwischen E- und U-Musik überflüssig sind. Im anschließenden Gespräch mit beiden Künstlern war Angelika Kirschschlager durchaus bewusst, dass die Zuschauer in erster Linie wegen Rufus Wainwright gekommen waren. Trotzdem zeigte sie sich über die Sympathiebekundungen des Publikums glücklich. Sie hat an diesem Abend viele neue Fans gewonnen und gezeigt, dass ein musikalischer Spagat reizvoll ist und auch ihr neue Möglichkeiten eröffnet. Rufus Wainwrigt wirkte sichtlich erleichtert und versprach seinen Programmteil auszubauen. Am 5. Juli 2015 können sich die Fans in der Wiener Staatsoper davon überzeugen.