Ein altersloser Popveteran

 

Begegnung mit Sir Cliff Richard

 

Dieser Mann ist ein Phänomen. Er steht seit fünfundfünfzig Jahren erfolgreich auf der Bühne, ist auf der ganzen Welt bekannt, 1995 adelte ihn die Queen zum Ritter, jetzt hat er sein 100. Album veröffentlicht. Hans-Peter Schmidt-Treptow traf Cliff Richard in Braunschweig nach der der Sendung Willkommen bei Carmen Nebel.

 

Hans-Peter Schmidt-Treptow: Wie spreche ich Sie richtig an, Sir Cliff?

 

Cliff Richard: (lacht) Nein, nein, Cliff ist okay.

 

HPST: Was für ein Gefühl war es von der Queen geadelt zu werden?

 

CR: (lacht) Ich war sehr schweigsam. Man sagte mir, dass ich nicht eher sprechen dürfe, bevor die Königin mir das Schwert auf die Schultern legt. Nach diesem Akt war ich so berührt, dass ich meine Sprache nicht wieder fand und mich nicht bedankte. Die Queen fragte dann einen ihrer Diener warum jemand geadelt wird, der nicht einmal die englische Sprache spricht. Heute lache ich immer noch über diese Zeremonie.

 

HPST: Sie waren lange nicht in Deutschland. Jetzt hatten die deutschen Zuschauer die Möglichkeit Sie wieder einmal im Fernsehen erleben zu dürfen. Sind Sie das erste Mal hier in der Stadt?

 

CR: Ja, ich glaube ich bin zum ersten Mal hier. Ich erinnere mich gut an  Konzerte und Auftritte in Hannover, was nicht weit weg ist von hier. Damals habe ich mir die Gegend mit dem Auto um Hannover herum angesehen, da führte mich der Weg auch in diese Stadt. Aber aufgetreten bin ich hier heute zum ersten Mal.

 

HPST: Sie haben heute Abend live gesungen und anderem einen Evergreen auf Deutsch „Rote Lippen soll man küssen“ gesungen. War es schwierig mit der deutschen Sprache umzugehen?

 

CR: Nein, „Rote Lippen …“ war sehr einfach für mich. Ich habe den Text vor langer Zeit gelernt. Ich hatte zunächst eine englische Übersetzung des deutschen Texts und fing dann an phonetisch zu lernen. Ich wusste also, was ich singe.

 

HPST: Jetzt erscheint Ihr 100. Album „The fabulous Rock’ n’ Roll Songbook”, herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg! Haben Sie damals mit einem solchen Erfolg und einer so langjährigen Karriere gerechnet?

 

CR: Oh Dankeschön (sagt es auf Deutsch). Nein, ich begann ja mit den Shadows und wir wurden als Eintagsfliegen abgestempelt. Ich selbst kann es auch kaum glauben, dass das schon fünfundfünfzig Jahre her ist. Aber ich bin sehr glücklich darüber.

 

HPST: Sie haben zweimal für Großbritannien am Grand-Prix (Eurovision Song Contest) teilgenommen. Welche Erinnerungen haben Sie noch daran?

 

CR: Ja, ich habe aber nicht gewonnen. 1968 wurde ich in London Zweiter mit „Congratulations“ und 1973 in Luxemburg mit „Power to all our friends“  reichte es nur zu Platz drei. Als ich „Congratulations“ zum ersten Mal hörte, wusste ich, dass ich damit nicht gewinnen kann.

 

HPST: Warum?

 

CR: Es war die Zeit Francos in Spanien und die Spanier wollten unbedingt gewinnen, vielleicht um ihr Image aufzuputzen. Das spürte ich schon während der Proben zu dem Festival. Es soll wohl auch Geld an die Jurys geflossen sein, vielleicht alles nur Spekulation. Aber ich kann mir vorstellen, dass das so gelaufen ist. Die damalige tatsächliche Siegerin war Massiel aus Spanien, die „La La La“ sang, ich fand sie großartig, eine wunderschöne Frau. Der Abstand von meinem zweiten zum ersten Platz betrug nur einen einzigen Punkt. Ich weiß noch genau, dass Irland und Jugoslawien mir nur einen Wertungspunkt gegeben haben.

 

HPST: Besteht noch ein Verlangen vielleicht ein drittes Mal teilzunehmen, denn am Alter kann es ja nicht liegen. 2012 trat Engelbert für England an und der war 76 Jahre alt?

 

CR: Nein, auf keinen Fall! Ich denke nicht, es gab eine Zeit, da dachte ich, dass die Eurovision eine Bühne ist für die beste Musik aus ganz Europa. Aber das passierte und passiert bis heute nicht wirklich. Jetzt habe ich den Eindruck, dass eher die Show dominiert und weniger die Musik. Und … (er überlegt einen Augenblick) wenn sechs Großmütter aus Russland Zweiter werden, ist das wohl nicht mehr meine Domäne (lacht).

 

HPST: Sie gehen nächstes Jahr auf Deutschland-Tournee, wie wird das Programm aussehen?

 

CR: Wir gastieren in Hamburg, München, Frankfurt, Oberhausen und Berlin. Es soll eine typische Rock’ n’ Roll Show werden, das bin ich und damit fühle ich mich am wohlsten. Meine Fans werden aber nicht nur die Songs des neuen Albums hören sondern auch die Klassiker in vielleicht neuen Arrangements.

 

HPST: Sie sind jetzt 73 Jahre alt und sehen aus wie höchstens Ende 40, wie machen Sie das, gibt es ein Geheimnis?

 

CR: Ich habe keine Ahnung (lacht). Vielleicht ist das Glücksache, ich esse vernünftig und gut, bewege mich viel und versuche immer aktiv zu bleiben.

 

HPST: Danke für das Gespräch und viel Glück für die Tournee.

 

CR: Dankeschön (wieder auf Deutsch).

 

Hans-Peter Schmidt-Treptow