Nervenarzt therapiert mit Musik und Komik

 

Eco Klippel gastierte erneut im ausverkauften KULT im Schimmelhof am 9.11.17

November, ein grauer Monat, den die meisten nicht mögen. Stimmungsaufheller in jedweder Form sind gefragt. Eine Möglichkeit des sich Ablenkens bestand für die Zuschauer am Donnerstagabend im Kult bei dem neuen Programm von Eco Klippel „Eco Class geht auch“.

Die Nachfrage für diese Show war groß, bereits Wochen vorher war der Abend restlos ausverkauft. Dementsprechend auch die Erwartungshaltung der Zuhörer. Gutgelaunt betritt der Akteur die Bühne und stimmt einen neuen Song „Beleidigt“ an. Humorig und tiefgründig setzt sich der text mit den kleinen Ausrastern im Alltag auseinander, die einem hinterher oft leidtun, weil man ja eigentlich ein ganz Netter ist oder sich dafürhält. Der Titel „Botoxparty“ ist einigen der Anwesenden bereits bekannt und beschreibt den Jugendwahn, das nicht älter werden wollen, aber das letztlich doch Akzeptieren müssen. Mit dem Lied „Fleisch“ wird der Künstler richtig rockig und verteilt Spitzen gegen die immer größer werdende Gemeinde der Veganer. Richtig sarkastisch wird es als er davon erzählt, dass er seinen Kaffee immer schwarz trinkt. So schwarz, wie die Hände, die ihn pflücken.

Das Programm hat eine Rahmenhandlung, die dem Abend guttut und im Gegensatz zur Premiere auf das Wesentliche reduziert wurde. Eco Klippel, im normalen Leben Doktor der Neurologie, schlüpft in die Rolle eines Schiffsarztes, in diesem Fall Kreuzfahrtneurolge, und spielt unterschiedlichste Rollen von Patienten, führt Zwiegespräche mit sich selbst. Verabreicht einer Gräfin von Schneckenstirn Viagra gegen Schwindel oder therapiert den russischen Multimillionär Igor Podjenkin, der an ADS leidet.

Die Lust am Spiel kommt bei Klippel am besten zum Ausdruck, wenn er in andere Rollen schlüpft. Er beherrscht unterschiedliche Akzente und Dialekte, die er pointiert einzusetzen versteht

Mit dem Song „Yoda“, der ursprünglich als Nonsens angedacht war, besingt Klippel die Star-Wars-Zeit in Altenheimen. Auch wenn das Lied vordergründig lustig klingt und rockig daherkommt, macht der Text nachdenklich. „Lithium“ entwickelt sich zum Nischenhit, hier haut Eco den Politgrößen Trump, Erdogan und Putin musikalisch auf die Finger.

Besonders die leisen Töne in diesem Konzert haben Nachhall. Liebeslieder wie „Beyond the sea“ oder „Mein Geschenk“ und auch „Kleine Affäre“ tun dem doch exzentrischen  Programm gut.

Eco Klippel entwickelt sich zu einem Geheimtipp, ist sicherer und professioneller geworden, versteht es kleine Pannen zu überspielen, die das Gastspiel menschlich und lebendig machen. Welchen Eindruck hinterlässt nun dieser Abend? Es ist eine breite Gratwanderung zwischen Musiker, dem Beruf des Mediziners und dem Familienmenschen. Er versteht das alles wunderbar miteinander zu verbinden. Die Nachfrage nach seiner Kunst ist groß und Absagen hört keiner gern. Am 29.12.2017 gastiert er auf der Kleinkunstbühne Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste Doppel-CD ist da! "Live ist geiler als draußen" Livemitschnitt vom 23.02.2017 aus dem Kult-Theater Braunschweig. Preis EUR 10,00 zzgl. Versand in Deutschland EUR 1,45

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Musikalische Reise zum Mittelpunkt des Nervs

Mal ruhig ...

Eco Klippel gastierte im ausverkauften KULT mit „Live ist geiler als draußen“

 

Der Erfolg seines ersten Konzertes vor rund drei Monaten setzte Maßstäbe. Die immer größer werdende Fangemeinde des Entertainers Eco Klippel forderte Nachschlag, den der Künstler am vergangenen Donnerstag im Braunschweiger Kult-Theater gern erfüllte. Wie immer lässt es sich der Direktor der Spielstätte Thomas Hirche nicht nehmen sein Programm selbst anzukündigen und nennt seinen Gast einen ungeschliffenen Diamanten. Zunächst ist viel Heimvorteil für Klippel da. Aber die meisten der Zuschauer erleben ihn doch zum ersten Mal, waren durch Mund-zu-Mund-Propaganda aufmerksam geworden, dass es an diesem Abend etwas Besonderes zu erleben gibt. Kurios ist das alles schon, ein stadtbekannter Neurologe, der die Bretter der Welt betritt und bestens unterhält.

Eco Klippel springt auf die Bühne, greift zur Gitarre und begrüßt das Publikum mit einer Geschichte aus dem Alltag. Der Song „Botox Party“ ist ein ironischer Blick auf das Älterwerden. Danach plaudert er locker über eine fiktive Südostasien-Tournee, fast glaubt man, dass diese tatsächlich stattgefunden hat. Seine fehlende Begleitband an diesem Abend hängt in der Hamburger Herbertstraße fest, ruft jemand aus dem Off. Aber diese hat Eco gar nicht nötig. Lediglich Mundharmonika und Gitarre reichen aus sich selbst zu gestalten. Seine verbalen Comedyeinlagen erinnern zuweilen etwas an Heinz Rühmann oder ist es das facettenreiche Timbre seiner Stimme? Nein, Eco ist Eco, ein Original! Seine Lieder schreibt und komponiert Klippel ausschließlich selbst. Er schaut mit viel Ironie auf alles, was um ihn herum passiert, ist ein guter Wahrnehmer, sicherlich auch resultierend aus seinem Hauptberuf. Egal ob er sich über seine Heimatstadt Fulda lustig macht mit dem Song „Dörfer, die sich als Städte verkleiden“ oder in „Einfach nur genetisch“ Stellung nimmt zum oberflächlichen Gesundheitswahn. Hier erfasst jemand den Zeitgeist.  Dass es keine Begleitband an diesem Abend gibt gerät schnell in Vergessenheit, die Stimme bedarf keiner weiteren Begleitung, sie ist Instrument genug. Viele Zuhörer erkennen sich wieder, wenn Eco „Kindersklaven-Treiber-Blues“ singt. Die Stimmung steigt kurz vor der Pause fast ins Frenetische. Klippel macht sich musikalisch Gedanken über die Putins, Trumps oder Erdogans und meint in seinem Chanson „Lithium“, dass Besagten lediglich dieses Medikament fehle oder sie es vergessen haben zu nehmen und nun an bipolaren Affektstörungen leiden.

Den zweiten Teil des Abends gestaltet Klippel ruhiger. Blues bestimmt den Rhythmus seiner teils melancholischen Lieder wie „Bitte lass mich deine kleine Affäre sein“ oder ein Song über seine verstorbene Mutter. Als er eine Ballade über eine nicht wirklich stattgefundene Liebe zu „Lisa Schuster“ anstimmt, erkannt man Parallelen zu „Tür an Tür mit Alice“, was vielleicht beabsichtigt ist. Am Ende des Abends wird es dann doch noch einmal lauter und provokanter. Eco Klippel kündigt ein Lied für die Frauen an und bezeichnet sie darin augenzwinkernd als „Erotische Nutzfläche“. Die anwesenden weiblichen Zuhörer verzeihen schnell. Mit seinem Lied „Mit sechzig möchte ich einmal Puffkönig sein“ nimmt er sich selbst auf die Schippe … oder ist da doch so etwas wie der Wunsch, der Vater des Gedankens?

Ohne die Zugabe „Lithium“ lässt das Publikum den Künstler nicht gehen. Der sehr zeitgemäße Text ist an diesem Abend der Hit. Noch beim Verlassen des Saales scheinen einige Zuschauer das Lied auf den Lippen zu haben. Thomas Hirche muss widersprochen werden. Eco ist ein geschliffenerer Diamant!

 

Fotos: Siegfried Nickel

 

 

 

 


Braunschweiger Nervenarzt trifft Nerv des Publikums

Eco Klippel begeisterte im ausverkauften Gemeindehaus der Evangelischen Kirche Stöckheim mit seinem Programm „Live ist geiler als draußen“

Nach zwei Tagen Vorverkauf war das Gastspiel ausverkauft

Dass Ärzte oder Akademiker immer mal wieder einen Hang zum Humor und zum Entertainment haben weiß man spätestens seit Günter Willumeit oder Eckhard von Hirschhausen. Jetzt betritt Eco Klippel die Bühne mit einem eigenen Programm bestehend aus Comedy und selbstverfassten Liedern und Chansons.

Das prall gefüllte Gemeindehaus in Braunschweig-Stöckheim, darunter Honoratioren aus Braunschweig,  weiß zu Beginn nicht, was von dem Abend zu erwarten ist. Fast etwas schüchtern (oder gehört das schon zum Programm?) betritt der siebenundvierzigjährige Neurologe aus Braunschweig das Geschehen und stimmt an diesem Abend seine Zuhörer mit dem Chanson „Ein Abend im November“ auf die nächsten zwei Stunden ein. Bereits mit dem ersten Lied des Programms wird schnell klar, hier agiert jemand, der aus einem eigenen reifen Leben schöpft. Themen die Klippel bewegen und doch viel Allgemeingültigkeit haben und über die es sich manchmal gar nicht zu reden lohnt. Weit gefehlt! Natürlich fragt sich der interessierte Fernsehzuschauer ob Sendungen wie „DSDS“ oder „Deutschland sucht das Supertalent“ wirklich der Nabel der Welt sind. Klippel schaut amüsiert und nachdenklich machend darauf und rückt gerade diese Themen ein wenig in den Mittelpunkt.  Ein Chanson erzählt die Geschichte einer Rihanna Meyer, allein der Name ist schon Programm, und lässt starke Reminiszenzen an die sogenannten Daniela Katzenbergers oder Paris Hiltons erkennen. Eco Klippel ist ein neues Gesicht in der Szene. Unweigerlich denkt der eine oder andere Zuschauer an Otto Waalkes wenn zwischen den Songs Comedy Einlagen serviert werden. Klippel hat hier die Lacher schnell auf seiner Seite.

 

 

Musikalisch bietet der Sänger einen gut sortierten Gemischtwarenladen an, auf leisere Töne folgen leicht rockige Klänge, ab und zu wird es sogar schlagerhaft und das Publikum wird zum Mitsingen animiert wie bei „Acht Kindlein“, das lustvoll einen aus den Fugen geratenen Kindergeburtstag beschreibt. Einigen Eltern im Publikum wird heftig aufs Maul dabei geschaut. Auch Klippels eigentlicher Beruf als Neurologe bleibt von Spot nicht verschont. Der Entertainer zeigt dabei das seltene Talent, sich selbst auf die Schippe nehmen zu können.

Nach der Pause wird es stiller. Ein Chanson über seine verstorbene Mutter und die hinterlassene Lücke macht diesen Blues zum Höhepunkt des Abends. Gerade hier zeigt Eco Klippel seine Sensibilität und man begreift schnell, dass ohne diese das gesamte Programm gar nicht möglich wäre. Dem Entertainer gelingt wieder der Sprung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor als kurz darauf insgeheime Wünsche verkündet werden, dass er zu seinem 60. Geburtstag nur einmal „Puffkönig“ sein möchte oder den Körper seiner Angebeteten als „erotische Nutzfläche“ bezeichnet.

Nach zwei Stunden ist der Abend erfolgreich gelaufen. Heftig fordert das Publikum Zugaben. Fast wie zu Beginn des Konzerts steht nun wieder ein schüchterner Typ auf der Bühne, der sich fast artig bedankt und entschuldigend mitteilt nun kein Repertoire mehr zu haben. Eine Stimme seiner Zuschauer fordert lautstark noch einmal „Acht Kindlein“, der Akteur gibt nach und badet erneut im Applaus.

Live on stage, lediglich mit Gitarre begleitete sich Eco      Klippel zwei Stunden lang