DALIAH LAVI

Hommage zum 75. Geburtstag

Die Löwin ist leise gegangen

Zum Tode von Daliah Lavi

Sie war immer die attraktive Ausnahmeerscheinung im Showgeschäft, verhielt sich oft antizyklisch, was ihr großen Erfolg bescherte – Daliah Lavi! Jetzt ist ein reiches und aufregendes Leben am 03. Mai 2017 zu Ende gegangen, in aller Stille.

Daliah Lavi wurde am 12. Oktober 1942 als Daliah Levenbuch in Shave Zion (damals noch Palästina) geboren. Ihre Mutter Ruth stammte aus Breslau, ihr Vater Josef war Russe. Zeit ihres Lebens sprach sie immer über glückliche Kindheit und der Liebe zu ihren Eltern. Als sie zehn Jahre alt war dreht Kirk Douglas den Film „The Jugglers“ in dem kleinen Dorf am Mittelmeer. Eine willkommene Abwechslung für die Kinder des Ortes, besonders für Daliah. Sie wich dem Filmteam nicht von der Seite, erzählte dem Protagonisten von ihrem Traum Ballerina zu werden. Zwei Jahre später organisierte ihr der Hollywoodstar ein Ballettstudium in Stockholm, das sie wegen Kreislaufproblemen abbrechen musste. Das Leben hielt andere Aufgaben für sie bereit. 1955 wirkte sie in Schweden in dem Film „Hemsöborna“ mit, kurz darauf musste sie zurück nach Israel, da ihr Vater starb. Sie arbeite fortan als Mannequin und absolvierte ihren Wehrdienst in der israelischen Armee. Sie erlangte erste Berühmtheit in kleineren Filmrollen. 1962 war ihr Mentor Kirk Douglas ihr Partner in dem Streifen „Zwei Wochen in einer anderen Stadt“. Zu dem Zeitpunkt hatte sie bereits eine Kurzehe mit einem französischen Kaufhausbesitzer hinter sich. Der Aufenthalt in Paris öffnete ihr die Türen in die Filmwelt, sie zog nach Rom und dreht bis 1969 weltweit knapp dreißig Filme. Besonders in Erinnerung blieb ihr allerdings nur die 1963 entstandene italienische Produktion „Der Teufel“. Als sie 1965 den Film „Lord Jim“ dreht lernt sie ihren zweiten Ehemann John Sullivan kennen. 1967 wird der gemeinsame Sohn Rouwen geboren, aber auch diese Ehe scheitert. Sie liebt ihren Sohn sehr, aufgezogen wird er aber überwiegend von ihrer Mutter Ruth. Bei einer BBC-Produktion in London begegnet sie 1969 ihrem Landsmann Topol wieder, der sie bittet mit ihr ein paar hebräische Lieder zu singen. Der Hamburger Produzent Jimmy Bowien ist begeistert von Daliahs Stimme. Da sich zu dieser Zeit keine nennenswerten Filmerfolge einstellen, wechselt sie das Genre. Bowien versucht in mehreren Ländern die neuen Lieder von Daliah Lavi zu platzieren. In Deutschland hat er damit Erfolg. Bereits die erste Single „Liebeslied jener Sommernacht“ (Love Songs) wird zum Hit, für das Lied „Oh, wann kommst du“ erhält sie 1971 den „Bronzenen Löwen“ von Radio Luxemburg. Eigentlich wird die Showszene der 1970 er Jahre durch Rockmusik bestimmt, aber das dunkle Timbre ihrer Stimme setzt sich durch. Bis 1973 hat Daliah Lavi sieben Hits in Folge. Für ihren größten Erfolg „Willst du mit mir geh’n) erhält sie den „Silbernen Löwen“, vier „Bravo-Ottos“ gesellen sich in Gold, Silber und Bronze dazu. Sie wird zur erfolgreichen Sängerin des beginnenden Jahrzehnts. Drei ausverkaufte Deutschland-Tourneen runden das Bild zwischen 1972 und 1975 ab.

Die Ehe mit Peter Rittmaster, einem amerikanischen Bootsbauer, die sie 1973 eingeht scheitert nach drei Jahren. Sie zieht sich in dieser Zeit weitestgehend aus der Glitzerbranche zurück und bekommt 1974 ihren zweiten Sohn Alexander. Nach dem erneuten Eheaus pendelt sie 1976 wieder verstärkt zwischen ihrer Wahlheimat Florida und Deutschland hin und her, veröffentlich wieder Schallplatten. Es vollzieht sich ein Stilwechsel. Daliah nimmt Kinderlieder auf, singt Chanson aus den 1920 er Jahren und produziert ein Album mit hebräischen Liedern, dessen Erlös sie den Kriegsopfern des Yom-Kippur-Krieges zur Verfügung stellt. 1977 begegnet sie Charles „Chuck“ Gans, einem amerikanischen Verpackungsmillionär. Obwohl sie sich geschworen hatte nie wieder zu heiraten, wagt sie den Schritt 1977 noch einmal und heiratet den Witwer mit zwei Kindern. Sie adoptiert den Nachwuchs ihres Mannes, er wiederrum wird Vater ihrer Söhne. Im Gegensatz zu der Zeit mit Peter Rittmaster, zieht sich die Sängerin jetzt fast vollständig aus dem Showgeschäft zurück. Erst 1983 tritt sie mit dem Album „Wenn schon, dann intensiv“ wieder ins Rampenlicht. Bis 1994 tritt sie immer wieder in Deutschland auf, hat sehr gute Fernseheinsätze und ein Hit „Ich wollte nur mal mit dir reden“ stellt sich 1985 auch ein. 1993 gewinnt sie zusammen mit Karel Gott und dem Titel „Ich bin da, um dich zu lieben“ sogar die ZDF-Hitparade. Danach zieht sie sich fast vollständig ins Privatleben zurück. Auftritte in Deutschland werden rar, obwohl die Radiostationen ohne ihr Repertoire nicht auszukommen scheinen. Vierzehn Jahre soll diese Lebensphase dauern. Erst 2008 gelingt es ihrem Manager Wolfgang Kaminski sie zu bewegen noch einmal zu ihren Fans zurückzukehren. Das Album „C’est la vie“ hält sich zweiundzwanzig Wochen in den Charts und wird vergoldet. Daliah Lavi hat ihre größten Hits noch einmal aufgenommen, zusätzlich finden sich fünf neue Lieder auf der Produktion. Der Erfolg der CD ermutigt die Künstlerin noch einmal auf Tournee zu gehen. Im März 2009 singt sie zwölfmal vor völlig ausverkauften Häusern. Der Titel ihrer Abschiedstournee lautete „Meine Abschiedstournee“, eine Rückkehr die ein Abschied ist. Ein allerletztes Mal besucht sie im November 2011 Carmen Nebel zu ihrer Jubiläumssendung und singt ein Medley ihrer Erfolge.

Danach zieht sie sich endgültig ins Privatleben zurück, kümmert sich um ihre Enkelkinder und genießt den Ruhestand. Ihr plötzlicher Tod am 3. Mai 2017 erschüttert Fans und Kollegen. Ernsthaft krank soll sie nicht gewesen sein. Wie ihr Manager mitteilen ließ, habe er die Nachricht von Daliahs Ehemann erhalten "Es war keine Frage von Wochen mehr, sondern eine von Tagen. Eine konkrete Krankheit gab es nicht, es war eine generelle Schwäche."

 

                                   Die Persönlichkeit, Schönheit und Klugheit hat uns jetzt verlassen, das schmerzt!

 

 

 

Eine Rückkehr, die ein Abschied war

 
Seit 1994 war Daliah Lavi quasi nicht mehr als Sängerin aufgetreten. Obwohl die Rundfunksender ohne ihr Repertoire nicht auszukommen scheinen, zog sie sich konsequent aus dem Geschäft zurück, widmete sich in Asheville/USA ihrem Mann, ihren Kindern und Enkeln. Nichts schien sie zu bewegen auf die Bühne zurückzukommen. Dieter Falk und ihr Manager Wolfgang Kaminski ließen nicht locker. Im Oktober 2008 erschien ihre CD >C'est la vie< mit fünf neuen Songs und Neuaufnahmen ihrer Liebingslieder und erfolgreichsten Titeln. Im März 2009 unternahm sie ihre letzte Konzertreise "MEINE ABSCHIEDSTOURNEE" nannte Daliah Lavi das Programm. Es waren sehr emotionale Momente, die die Künstlerin mit ihrern Zuschauern erlebte. Die Fotos entstanden bei den Gastspielen in Hamburg, Dortmund, Leipzig und Berlin.
Ihren wirklich allerletzten Auftritt hatte sie am 28.11.2009 in Suhl beim "Adventsfest der Volksmusik" und dieses letztmalige Zurückkommen bescherte ihr eine Überraschung. Die CD, die sie ein Jahr zuvor aufgenommen hatte hielt sich fast ein Vierteljahr in den Charts und wurde vergoldet.
 
 
 
 

Und dann war es doch noch nicht zu Ende ... Im November 2009 lud Florian Silbereisen Daliah zum "Adventsfest der 100.000 Lichter" ein. Noch einmal sang sie ein Medley ihrer größten Erfolge. Die Riesenüberraschung war ihre erste goldene CD, die sie an diesem Abend erhielt. Ihr Album "C'est la vie" war ein solcher Renner, dass dieses vergoldet wurde.

Die Künstlerin war eigens mit Ehemann aus Asheville nach Suhl gereist. Noch bei der Generalprobe am Nachmittag ahnte Daliah Lavi nichts von der Auszeichnung. Ihre Freude bei der Aftershowparty war riesengroß

 

2011

Schwer sich von der Bühne zu trennen? Anscheinend ja, denn am 10.11.2011 nahm die Künstlerin erneut ein Auftrittsangebot zu Carmen Nebels 50. Sendung an. Sie war der Star in Dortmund!

Und man soll ja nie NIE sagen, wer weiß, ob sie eines Tages nicht doch noch einmal über den großen Teich nach Deutschland kommt ....

10. November 2011 50. Sendung "Willkommen bei Carmen Nebel" Dortmund

 

Archiv: Daliah Lavi war wahrscheinlich der häufigste Gast in der Aktuellen Schaubude des NDR

 

 

Programmhefte der Deutschland-Tourneen 1972 + 1973 sowie 1975

 

 

 

Daliah als Schauspielerin