Bitte noch viele Zugaben, Frau Roos!

 

Mary Roos veröffentlicht am 31. März 2017 ihr Album „Ab jetzt nur noch Zugaben“

Sie ist niemals Mainstream – auch wenn sie in Deutschland oft als Schlagersängerin bezeichnet wird – Nur eines kommerziellen Erfolges wegen hat sie niemals Musik gemacht. So auch mit dem jetzt erscheinenden Album „Ab jetzt nur noch Zugaben“.

 

Zugegeben, der Hörer braucht ein wenig Geduld. Es handelt sich nicht Hintergrund- oder Fahrstuhlmusik, die die Künstlerin präsentiert. Es sind Alltagsgeschichten auf sehr hohem Niveau sowohl von der Komposition als auch vom Text. Mit der Nummer „Discozeitmaschine“ verhält sich Mary Roos angenehm antizyklisch. Der Musikstil der 1980 er Jahre wird hier wunderbar ins Hier und Jetzt gerückt. Sollten viele Fans schon geglaubt haben, dass diese Melodien längst verklungen sind, werden sie jetzt angenehm berührt sein. „Stein auf Stein“ ist ein Herzenssong für die Sängerin, sie wollte schon immer den Frauen ein Denkmal setzen, die sich nach dem Krieg unter schwerster körperlicher Anstrengung für den Wiederaufbau eingesetzt haben. Denen wurde fast nie gedankt und das tut Mary Roos jetzt mit dieser Ballade, die so hinreißend von Pe Werner geschrieben wurde.

 

Man merkt dem Album einfach an, dass hier eine Interpretin steht, die Gelassenheit ausstrahlt, aus dem Bauch heraus lebt vor allem mit dem Lied „Ich hab‘ Zeit“. „Auch der Titel „C’est la vie“ greift das Thema auf, leichte Country Klänge verbinden sich im Refrain mit einem langsamen Walzer. „Deine Welt ist keine Insel“ ist ein Mut machendes Lied und kann als Aufruf zu mehr Toleranz in unserer Zeit verstanden werden, was sehr wichtig ist. Eine fast ganz neue Mary Roos erlebt der Hörer mit dem Chanson „Sie kann es tragen“, die Interpretation hätte eine Juliette Greco nicht besser machen können. „Parkplatz“ kommt schlagerhaft daher, ist aber durch die Zusammenarbeit von Johannes Oerding, Tom Albrecht und Sven Bünger nicht zu unterschätzen. Die kleinen Maleschen des Alltags werden hier aufgegriffen, die uns bei den großen Dingen immer wieder behindern.

 

„Keine Abschiedstour“ ist ein Synonym für den Titel des Albums. Mary Roos gehört nicht zu den Kollegen, die immer wieder ihr absolut letztes Konzert annoncieren. Sven Bünger ist es mit der Komposition gelungen, jeglichen Abschiedsschmerz musikalisch flockig zu verpacken. Auch der Song „Nicht nötig“ stammt zum Teil aus seiner Feder mit dem Mary Roos gelassen auf zum Teil taktlose Bewunderer schaut.

 

Ob es nun wirklich ab jetzt nur noch Zugaben gibt bleibt abzuwarten. Es wäre sehr schade, wenn eine solche Ausnahmekünstlerin die Showlandschaft verlässt und sich ins Private zurückzieht. Momentan sieht es nicht so aus. 2018 ist sie weiterhin mit „Nutten, Koks und frischen Erdbeeren“ unterwegs, das Fernsehen scheint ohne sie nicht auszukommen. Im April unternimmt sie eine Tournee mit Kollegen.

 

Bitte, machen Sie weiter, Frau Roos! Es gibt noch viel zu entdecken.

DA Music Best.-Nr. 877053-2 ab 31.03.2017

oder:

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Bilder meines Lebens

Mary Roos veröffentlicht am 16. Januar 2015 ihr neues Album

 

Keine leichte Aufgabe, die sich Mary Roos gestellt hat. Nach dem Album ihres Lebens, wie sie selber sagt, Denk, was du willst, das 2013 erschien, folgt nun Bilder meines Lebens. Der Titel klingt wie ein Resümee, was durchaus beabsichtigt erscheint. Vielseitig war die Sängerin immer, was leider in Deutschland oft nicht erkannt wurde. Schon in den 1970 er Jahren feierte sie Erfolge in Frankreich. Hierzulande wurde die Künstlerin gern in die Schublade Schlagersängerin gepackt, was ihrem Potenzial nie entsprach. Ihr Spektrum ist groß, ihr Stimmvolumen gigantisch und bei ihrer Bühnenpräsenz macht ihr keiner mehr was vor.

 

Es ist wohltuend zu wissen, dass sich im Produktionsteam der neuen CD Namen wie Pe Werner, Jovanka von Wilsdorf, Sven Bünger, Johannes Oerding, Frank Ramond und nicht zuletzt Stephan Piez – DER POLAR – wiederfinden. Zeigt es doch, dass Mary Roos die Elite unter den Musikschaffenden um sich schart.

 

Schon der Opener des Albums Entspann dich fordert den Hörer auf sich zurückzulehnen und zuzuhören, das Lied macht neugierig auf mehr. Über den Titel Unbemannt, für den Pe Werner verantwortlich zeichnet, sagte kürzlich ein Musikkenner, er sei das Beste, was Mary seit langem gemacht hat. Zugegeben, ein Schlager aber auf hohem Niveau. Sie tun es immer noch wurde von Johannes Oerding komponiert, den Text schrieb Frank Ramond. Dieses Lied dürfte die Gemüter spalten. Einerseits absolut gelungen, wie hier über Sex gesprochen wird, es geht also auch so! Andererseits ist die Mischung aus Ballade und Shanty im Refrain  gewöhnungsbedürftig. Trotzdem dürfte der Song radiotauglich sein. Eine Erfahrung, die Mary Roos nicht das erste Mal machen dürfte. Das Lied Einzigartig hatte es auch schwer Fernseh- und Rundfunkeinsätze für sich zu verbuchen, entwickelte sich dann aber kontinuierlich zum Airplayerfolg. Gut Ding will eben Weile haben.

 

Ganz großes Kino und das Highlight des neuen Albums ist das Duett mit DER POLAR, Stephan Piez, Du. Kaum zu glauben, dass beide Künstler den Song getrennt voneinander aufgenommen haben. Die Schwere dieser Ballade schraubt die gesamte Qualität der CD extrem nach oben. Der von Piez  verfasste Text lässt viele Interpretationen zu wie Tod, Erinnerung und Liebe. Auch wenn es das Chanson nicht leicht haben wird zu gefallen, wünscht man sich ein Clubkonzert mit beiden Künstlern und dieser Art Musik.

 

Der Titelsong Bilder meines Lebens ist eine wunderschöne Ballade bezogen auf den Spätsommer des Lebens, hier wirkt Mary Roos absolut authentisch. Die Freunde des  Schlagers kommen mit den Songs Merkste selber und Die kleinen Dinge auf ihre Kosten. Der Song Kein Plan besticht durch die zart eingesetzte Stimme.

 

Das Cover der CD ist in satten warmen Farben gestaltet, was sehr gut zur Gesamtproduktion passt. Überhaupt merkt man dem gesamten Album an, dass sich Zeit gelassen wurde und die Atmosphäre im Studio entspannt gewesen sein muss.

 

Zweifler, die Angst hatten, dass nach Denk, was du willst nur noch Mittelmaß kommt, können sich zurücklehnen. Ich empfehle denen: Entspann dich!

 

Erhältlich ab 16.01.2015 / DA-music

Fotos: Manfred Esser

 

Weiterhin erhältlich .... das Album ihres Lebens:

 

 

 

AM 12.04.2013 erschien das neue Album von MARY ROOS

"DENK, WAS DU WILLST"

 

 

 

Endlich -  MARY - endlich!

 

Mary Roos präsentiert ihr Album „Denk, was du willst“

 

 

Als Hildegard Knef 1980 ihre Welttournee startete, kommentierte das Lilli Palmer treffend „Endlich, liebe Hilde endlich, es gibt so wenig begabte Frauen, die so etwas wagen“ Beim Hören des neuen Albums „Denk, was du willst“ von Mary Roos greife ich diesen Satz gern auf und rufe der Sängerin zu: „Endlich ein Album, das lange fast zu lange auf sich warten ließ, fast vierzig Jahre …“

 

Bereits Anfang der 1970 er Jahre galt Mary Roos als Ausnahmekünstlerin, die bei einem internationalen Label unter Vertrag war. Dadurch entwickelte sich eine Karriere in Frankreich, Auftritte im Pariser Olympia und sogar in der Muppets-Show. Stationen über die die Künstlerin immer wieder in Talkshows geplaudert hat und wohl auch ein wenig sehnsüchtig darauf zurückblickte. Zu oft vernahm der Zuhörer Sätze wie „Ich möchte endlich wieder Theater spielen“ oder „ein eigenes Tourneeprogramm zusammenstellen“, wirklich passiert ist aber nichts, bis auf eine jahrzehntelange Schlagerlaufbahn in Deutschland!

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 

Und jetzt, ein Neustart? Nein! Eine Weiterentwicklung, ein Schub, ein Sprung ins anspruchsvollere Genre – ohne dabei die Wurzeln zu vergessen. Der Produzent des Albums

Roberto Di Gioia, die Textdichter Jovanka von Wilsdorf und Frank Ramond, der Komponist Sven Bünger  und nicht zuletzt Till Brönner, der neben dem Titel „Adrian“ auch für die eleganten Fotos verantwortlich zeichnet, müssen Mary Roos mit offenen Armen aufgenommen haben.  Die Arrangements sind modern und zeitlos zugleich und können als die Besten bezeichneten werden, die der Künstlerin je auf den Leib „geschneidert“ wurden. Wenn auch die Titelzeilen einiger Lieder wie „Lass mich dich auch mal vermissen“, „Sommerregen“ oder „Wo warst du nur“ zunächst wie konventionelle Schlager anmuten, wird der Hörer eines Besseren belehrt. Man merkt einfach, dass die Texterin Jovanka von Wilsdorf sensible Gespräche mit Mary Roos geführt hat, die die Ansichten und Gedanken der Künstlerin wunderbar widerspiegeln.

 

Musikalisch ist die Produktion abwechslungsreich. Balladen, Bossa Novas, sogar ein Tango sind auf der CD zu finden. Auch die französische Vergangenheit der Sängerin lebt wieder auf. Mit dem Chanson von Jaques Brel „Ne me quitte pas“ legt Mary Roos die Messlatte hoch, wenn auch  das Lied schon von vielen Sängern gesungen wurde, hat man hier aufgrund einer warmen  gereiften Stimme den Eindruck, so hätte sich der belgische Komponist  die Interpretation vorgestellt. „O Leãozinho“ (Kleiner Löwe), das einer der einflussreichsten brasilianischen Komponisten Caetano Veloso beisteuerte, singt Mary Roos auf Portugiesisch und stellt damit einmal mehr den Facettenreichtum ihrer Stimme unter Beweis. Sie interpretiert  diesen Bossa Nova fast wie Kinderlied mit einer sehr jung klingenden Stimme. Selbstironie beweist die Musikerin mit dem Tango „Wie lange woll’n Sie das noch machen“, mit dem sie humorvoll ihre ungebrochene  Lust am Schlagerzirkus in Frage stellt. Gleichwohl vernimmt man auch eine Spitze an Kollegen, die immer wieder ihr letztes Konzert annoncieren.

Mary Roos hat mit „Denk, was du willst“ Maßstäbe gesetzt. Es wäre ungerecht zu sagen, sie beschreitet neue Wege. Sie reizt ihr Können voll aus und hat endlich ein Team hinter sich, das die wahre Größe dieser Ausnahmekünstlerin erkannt hat.

Alle Fotos von Till Brönner