12 Punkte!

Nicole veröffentlicht ihr ungewöhnlichstes Album am 14. April 2017

 

Seit 1956 gibt es den Eurovision Song Contest. Viele Sieger und Teilnehmer sah man kommen und gehen, manchmal reichte es nicht einmal für eine nationale Karriere. Wurden bisher immer Namen wie Udo Jürgens, Abba und Vicky Leandros als die ewigen Sieger bezeichnet muss Nicole mit dieser Produktion jetzt unbedingt dazugezählt werden. In der fast vier Jahrzehnte andauernden Karriere der Saarländerin gab es Aufs und Abs, aber sie ist wie eine Aktie, sie war und ist immer da.

 

Anders als eine France Gall, die im Laufe ihrer musikalischen Entwicklung nur ungern an ihren Eurovision-Sieg erinnert wurde, steht Nicole grundsätzlich zu ihrem Sieg mit „Ein bisschen Frieden“. Sie singt den Titel heute noch und bleibt dabei authentisch. Okay, Lena hat den Song-Contest auch für Deutschland gewonnen, aber Nicole bleibt für immer die erste Siegerin für ihr Heimatland.

 

Mit dem Album „12 Punkte!“ setzt sie jetzt neue Maßstäbe. Natürlich kennen eingefleischte Fans jedes Lied dieser Produktion, aber es ist trotzdem etwas ganz Neues. Alle Titel, mit ganz wenigen Ausnahmen, werden auf Deutsch interpretiert. In der Ballade „Halt mich fest“ (Hold me now von Johnny Logan) liegt eine heitere Melancholie und sehr viel Herzwärme, es entsteht der Eindruck, dass Nicole gar nicht an das Original heranreichen will. Sie macht etwas sehr Eigenes daraus und das ist gut so. Mit „Merci Cherie“ avanciert sie zur gehobenen Chansonsängerin. Irgendwo da oben lächelt Udo Jürgens. „Küsse von dir“ (Save your kisses for me von Brotherhood of men) und „Ding-a-Dong“ (Original von Teach In) waren und bleiben Schlager, egal ob auf Deutsch oder Englisch. Sie beleben das Album und nehmen ein wenig die manchmal etwas vorhandene Schwere der getragenen Songs. Ähnlich ist es bei „Dann kamst du“ (Après toi von Vicky Leandros), eine schwere Nummer, eine große Nummer, die Nicole auch auf ihre eigene Art zu interpretieren weiß. Das Lied klingt flockiger als im Original. Das etwas dunkle Timbre ihrer Stimme kommt bei „Euphoria“ (im Original von Loreen) sehr gut zum Ausdruck, damit entfernt sie sich angenehm am weitesten von ihrer bisherigen Domäne dem Schlager. Man wünscht sich fast Nicole hätte schon früher ab und zu aus diesem Genre ausbrechen sollen. „Ein bisschen Frieden“ bleibt immer „Ein bisschen Frieden“. Das Lied ist einfach zeitlos und wird von der Künstlerin in jedem Alter gesungen werden können. Das ist damals ein sehr durchdachter Schachzug des Komponisten Ralph Siegel gewesen, einem jungen Mädchen dieses Lied zu schreiben. „Hallelujah“ (Original von Gali Atari & Milk & Honey) wird zu einer Hymne, ähnlich wie die ursprüngliche Version kommt dieser Song leicht daher und hat nach wie vor eine große Aussage. Neben einer deutschen Version singt Nicole „Fly on the wings of love“ auch auf Englisch als Trio mit den Siegern aus dem Jahr 2000, den Olsen Brothers. Gelungen, die drei Künstler zusammen hätten damals auch gewonnen. Die italienische- und Originalversion von „Insieme“ (Toto Cotugno gewann damit 1990) singt Nicole zusammen mit Hape Kerkeling. Der Comedian läuft allerdings seiner Hauptakteurin Nicole stimmlich etwas hinterher, Comedy Akzente bei zukünftigen Liveauftritten sind wohl beabsichtigt. Hier wird der Hörer eines Besseren belehrt. Denkt man, dass der Song ausschließlich von einem Mann gesungen werden sollte, gerät man ins Zweifeln. Es ist wahrscheinlich die italienische Sprache, die die Sängerin das Werk zu ihrem machen lässt.

Insgesamt betrachtet hat Nicole mit dieser Produktion einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere gesetzt. Es ist gelungen alte Songs zu neuen Liedern zu machen, was sicherlich nicht nur den Arrangements zuzuschreiben ist, sondern in erster Linie Nicoles Stimme und Persönlichkeit.

 

Katnr: 4053804309806 ab 14.04.2017 bei TELAMO