Nutten, Koks und frische Erdbeeren

gastierte am 5. November 2015 im Theater am Aegi in Hannover

 

Zugegeben, die einunddreißigste Vorstellung des Theater- Show- Satireabends ist kein Jubiläum und doch war das erste Gastspiel des Projektes in Hannover eine besondere Vorstellung von Mary Roos und Wolfgang Trepper.

 

Der mit 1.400 Zuschauern absolut ausverkaufte Theatersaal, war die größte Location in der das Stück bisher zur Aufführung kam. Der Ruf, der beiden Künstlern vorauseilte war groß. Alle bisherigen Vorstellungen in anderen Städten waren ausverkauft, wurde doch in diversen Talkshows kräftig die Werbetrommel gerührt. Schon vor der Vorstellung  sah man fast schon vertraute Gesichter unter den Zuschauern. Der Eindruck trog nicht, manche Fans hatten das Spektakel schon mehrfach bewundert und freuten sich erneut auf einen Abend mit ausgezeichneter Unterhaltung. Selbst nach drei- oder viermaligem Erleben von „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ hat man den Eindruck, dass der Satiriker und der Showstar nichts Abgeschliffenes servieren sondern immer mehr in ihre Rolle hineinwachsen. Besonders fällt das bei Mary Roos auf, die ihre Pointen gezielt setzt und diese nicht verlacht, was sehr schwer sein muss, aber die Sangeslady beherrscht das inzwischen perfekt. Ob ein Kommentar oder eine weitere Pointe von Wolfgang Trepper immer angebracht ist sei dahingestellt, manchmal nimmt er damit seiner Partnerin den Wind aus den Segeln Alles wirkt spontan, frisch lebendig.

 

Nicht nur die größte Zuschauerzahl bisher machte den Abend zu etwas Besonderem. Emotionen schienen sich zu verselbstständigen. Als Mary Roos „My way“ sang gab es Standing Ovations, verdient! Es war deutlich zu spüren, dass eine Einheit zwischen den Zuschauern und den beiden Künstlern entstanden war. Und wer behauptet, dass die Geschichte des deutschen Schlagers nur Leute über Fünfzig interessiert wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Es fiel auf, dass viele junge Leute im Publikum zu finden waren.

 

Die Show geht weiter … und wie! Für 2016 sind 55 weitere Vorstellungen geplant und das Kartenkontingent ist jetzt schon mehr als übersichtlich.

 

 

 

Der Höhenflug geht weiter

 

„Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ gastierte am 24. September 2015 bei KULTUR IM ZELT in Braunschweig

 

Als im Mai dieses Jahres der Vorverkauf für das Gastspiel von Mary Roos und Wolfgang Trepper begann waren die Karten binnen weniger Tage vergriffen, obwohl die Show zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen steckte. Vorschusslorbeeren gab es viele, konkret soll nicht mal ein „Drehbuch“ vorgelegen haben.

 

Die 1.100 Glücklichen, die am Donnerstagabend im Besitz einer Eintrittskarte waren wurden von den beiden Ausnahmekünstlern königlich unterhalten. Seit der Vorpremiere am 01. April 2015 in Hamburg hat sich „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ entwickelt, ja fast verselbständigt. Jede Pointe, jeder Lacher sitzt, wirkt authentisch. Auch nach mehrfachem Besuch der Show kommt beim Zuschauer keine Langeweile auf. Wolfgang Trepper ist eine Rampensau und ein Könner seines Genres. Scharfzüngig, aber nie unter der Gürtellinie, verballhornt er die deutsche Schlagerlandschaft. Wo Feuilleton-Kritiker oft mit ganz feinen Nadeln zustechen benutzt der Satiriker die Mistgabel, schaut dem Volk aufs Maul und setzt es perfekt in seine Sprache um. Wolfang Trepper hat den Anspruch auf Anspruch. Mary Roos, ursprünglich auf nettes Beiwerk in dieser Show getrimmt, ist zu einer ebenbürtigen Comedy-Partnerin geworden. Die große Lady der Unterhaltungsbranche gibt ihrem Bühnenpartner Paroli. Ihr Konzertanteil in dieser Show ist zum Niederknien, sie singt perfekt, das dunkle Timbre ihrer Stimme verfügt über eine Wärme und Ausstrahlung, die bei manchem Besucher Gänsehaut hervorruft. Besonders die Zugabe von „Hund, Katze, Maus“ die nur durch ein Schlagzeug begleitet wird, zeigt wie wandlungsfähig Mary Roos ist.

 

Es ist zu vermuten, dass „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ auch 2016 wieder im Kulturzelt gastieren wird und man kann sicher sein, dass es unter den Zuschauern Wiederholungstäter geben wird.

 

Weitere Termine:

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Die Schöne und das Biest

 

Wolfgang Trepper und Mary Roos unterwegs mit “Nutten, Koks und frische Erdbeeren”

 

 

Sie ist Deutschlands internationalste Sängerin – Mary Roos, er ist einer der populärsten Kabarettisten des Landes – Wolfgang Trepper. Unterschiedlicher kann man sich ein gemeinsames Programm wohl kaum vorstellen. Seit Monaten wurde diese Gastspielreise der beiden Künstler immer wieder in den Medien angekündigt. Bereits nach wenigen Tagen waren die Karten für die Vorpremiere in Hamburg-Langenhorn vergriffen, obwohl sich wirklich kaum jemand vorstellen konnte, was zu erwarten war. Corny Littmann hat zusammen mit Wolfgang Trepper das Programm erarbeitet und führt Regie. “Nutten, Koks und frische Erdbeeren” ist eine gnadenlose Abrechnung mit dem deutschen Schlager von den 1960 er Jahren bis heute.

Zunächst betritt Wolfgang Trepper allein die Bühne und macht sich Luft. Teils pöbelnd, immer scharfzüngig und im leichten Ruhrpottdialekt wettert er über die Niveaulosigkeit dieses Musikgenres und den damit verbundenen schlechten Geschmack der Zuhörer. Schnell entsteht der Eindruck, dass der Comedian keine Aufwärmphase nötig hat, er ist sofort absolut präsent und weiß die Fäden der Marionette Publikum zu führen. Nachdem die ersten Boshaftigkeiten versprüht worden sind, erklärt Trepper, dass er lediglich der Ansager des Musikprogramms einer sehr alten Sängerin sei. Dann ruft er die Band auf die Bühne, die er als Kapelle niedermacht und die vier Musiker als Hilfsarbeiter bezeichnet. Danach kündigt er die nun auftretende Entertainerin als die “Helene Fischer der Bronzezeit" an. Von wegen alt … eine unglaublich attraktive Mary Roos tritt ins Scheinwerferlicht und singt den selbstironischen Titel “Frau Roos, wie lange woll’n Sie das noch machen”, dessen Text das Publikum sichtlich amüsiert.

 

Der dann folgende Schlagabtausch auf Wohnzimmermobiliar der 1960 er Jahre beider Künstler gerät eher zu einem Solo von Wolfgang Trepper. Er lässt Mary Roos fast gar nicht zu Worte kommen indem er ihr Unverschämtheiten um die Ohren haut. Mit gespielter Resignation verlässt die Akteurin das Geschehen um kurz darauf,  in einem entzückenden Pünktchenkleid, ein Medley bekannter Hits zu singen, die jeder kennt. Die Evergreens wie “Liebeskummer lohnt sich nicht” oder “Die Liebe ist ein seltsames Spiel” intoniert Mary Roos perfekt

Bei einem erneuten Dialog über die Geschehnisse von damals und die legendäre ZDF-Hitparade kennt Trepper gar kein Erbarmen mehr. Lautstark ereifert er sich über Marys Kollegen und beschimpft sie wegen ihrer Marotten und schwachsinnigen Schlagertexte. Mary Roos steuert die eine oder andere Anekdote bei. Danach singt sie ihre Erfolgsschlager aus den 1970 er Jahre wie “Arizona Man” und “Nur die Liebe lässt uns leben”.

 

Nach der Pause stehen nun die 1980 er Jahre an. Während eines Dieter-Bohlen-Medleys holt sich Mary Roos einen Zuschauer auf die Bühne und legt mit ihm eine flotte Sohle aufs Parkett. Das Publikum ist begeistert und fordert eine Zugabe, die aber der Programmablauf nicht zulässt. Stellenweise hat der Zuschauer jetzt den Eindruck, dass beide Künstler die Rollen anfangen zu tauschen. Wolfgang Trepper wirkt etwas weichgespülter, Mary gleitet in den Bereich der Slapstick und findet auf ihrem Cocktailsessel keine geeignete Sitzposition, da die Hose kneift. Fast entschuldigend wehrt sie sich gegen Treppers Vorwürfe, der ihr ihre damalige Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen ankreidet. Danach folgt ein traumhaftes Medley von Mary Roos mit Titeln wie “Aufrecht geh’n”, “Rücksicht” und Sinatras “My way”, das mit minutenlangem Beifall beklatscht wird. Aus Treppers störrischer Haltung keimt immer mehr Bewunderung für seine Partnerin. Seine Töne werden leiser, fast ein wenig poetisch. Zum Ende des Programms lobt er Mary Roos in den höchsten Tönen für ihre wunderbare Stimme und Ausstrahlung. Ein richtiger Geniestreich ist der Song “Hund Katze Maus”, den Mary nur mit Schlagzeug begleitet singt. Ein Kreis hat sich geschlossen.

 

Insgesamt gesehen ist dieser Theater-, Konzert- und Kabarettabend ungewöhnlich aber gelungen. Man kann das Event nur mit einem Augenzwinkern genießen. Wolfgang Trepper ist ein wunderbarer Comedian und Mary Roos eine Ausnahmesängerin. Das Zusammenspiel der beiden Akteure ist durchaus noch ausbaufähig. Die Komik der Künstlerin ist spontan und wirkt sehr authentisch. Zuweilen wünscht man sich, dass ihr sprachlicher Anteil an der Show größer sein könnte. Wie Mary Roos schon oft erwähnt hat, würde sie gern eine “schrille Alte” werden. Sie ist auf einem guten Weg dahin.

 

 

 

http://www.braunschweigeranzeiger.de/2015/05/08/nutten-koks-und-frische-erdbeeren-wolfgang-trepper-und-mary-roos-kommen-in-die-stadt/