Reinste Töne schwebten durch den Raum

Rufus Wainwright gastierte am 25. August 2017 in der Elbphilharmonie

Am Flügel Mark Hummel davor Rufus Wainwright während seiner Judy-Garland-Performance

(Foto mit freundlicher Genehmigung von Claudia Höhne)

Er gilt seit Jahren als Weltstar und Nischenkünstler zugleich. Sein Repertoire erststreckt sich über Pop, Musical bis hin zur Oper. Jetzt gastierte der Kanadier erstmals in der Hamburger Elbphilharmonie – Rufus Wainwright!

Schon beim Betreten des Konzertsaales macht sich ein fast von Leichtigkeit erdrückendes Gefühl beim Zuschauer breit. Das Haus gilt als eines der allerbesten seines Genres weltweit. Alles wirkt spartanisch, man spürt sofort, dass es hier einzig und allein um Musik geht. Selbst der Flügel auf der Aktionsfläche wirkt ein wenig verloren. Und dann ist es soweit! Rufus Wainwright betritt das Geschehen und beginnt seine Show der Ausnahmeklasse. „Mir ist klar, dass auch Fans hier sind, aber viele wollten die Elbphilharmonie auch von innen sehen. Also lasst uns die Akustik gemeinsam entdecken.“: spöttelt er in seiner liebenswürdigen Art und hat das Publikum sofort auf seiner Seite. Er wirkt – jetzt mit Bart – etwas verfremdet, aber das sind nur Äußerlichkeiten. Seine Erschöpfung vom Jetlag die er vorab in einem NDR-Interview kund tat merkt man ihm nicht an. Nach ein paar eigenen Songs, bei denen er sich selbst begleitet setzt sich nun Mark Hummel an den Flügel und Wainwright singt Auszüge aus seinem bereits 2007 aufgeführten Programm "Rufus Does Judy At Carnegie Hall". Nein, er singt nicht, mit seinem elegischen Posing wird er zu einer Art Reinkarnation von Judy Garland. Der Singer-Songwriter versteht es bis ins Detail Coverversionen einen Charakter zu geben, der diese Lieder zu seinen eigenen macht. „Foggy day“ oder „I can’t give you anything but love“ wurden schon hundertfach gecovert von anderen Künstler, erreichten aber nie das Niveau wie bei Rufus Wainwright. Leider erlaubt die Architektur der Konzerthalle nicht allen Zuschauern gleichzeitig den Blick ins Gesicht und der damit verbundene Mimik und Gestik des Akteurs, aber ihn nur zu hören ist ein Genuss. Es besteht überhaupt keine Gefahr, dass seine tonsichere Stimme von der Halle geschluckt wird. Vielmehr macht sich ein Eindruck breit, dass Töne durch den Raum schweben und sich wohlklingend in jeden einzeln Gehörgang setzen. Besonders kommt das bei zwei A-Cappella-Stücken zum Tragen.

Immer wieder plaudert Rufus Wainwright locker über sein Privatleben, am liebsten über seinen deutschen Ehemann Jörn Weisbrodt, dessen Eltern an diesem Abend ihre Goldene Hochzeit feiern.

Um dem klassischen Teil Tribut zu zollen singt der Kanadier Shakespeare-Sonetten, die er 2016 veröffentlichte. Ohne Zugaben lässt ihn sein Publikum nicht von der Bühne. Leonard Cohens "Hallelujah", „Over the rainbow“ und „Across the universe“ lösen bei seinen Fans frenetischen Beifall aus und enden in Standing Ovations.

Selbst wenn wirklich einige der 2.400 Gäste wegen der Besichtigung der Elbphilharmonie gekommen sind, kann sich Rufus Wainwright sicher sein, diese als neue Fans dazugewonnen zu haben.

Am Flügel Mark Hummel davor Rufus Wainwright während seiner Judy-Garland-Performance

(Foto mit freundlicher Genehmigung von Claudia Höhne)

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RUFUS WAINWRIGHT ...

gastierte am 26. März 2014 in der Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg

(Krankheitsbedingt konnte ich leider nicht berichten, anbei ein paar Bilder, die mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden)

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