Komödie mit Tiefgang

Schmetterlinge sind frei hatte am Donnerstag Premiere in der Komödie am Altstadtmarkt

Die Franzosen sind Weltmeister der schwarzen Komödie, Engländer sind groß im Cockney-Humor. Deutschland tut sich in diesem Genre immer wieder schwer. Eine Ausnahme sind oft die Inszenierungen von Florian Battermann in der Komödie am Altstadtmarkt. Dem nicht subventionierten Theater gelingt oft der Spagat des nicht am Publikum vorbei zu produzieren und doch die Qualität nicht aus den Augen zu verlieren. Unter dem Titel Butterfies are free hatte das Stück 1969 am Broadway Premiere und zählt mit über 1.100 Aufführungen zu den erfolgreichsten Stücken überhaupt. Oft stellt sich die Frage, ob Stücke dieser Art aus den 1960 er Jahren noch zeitgemäß sind und noch häufiger wird dieses verneint. Schmetterlinge sind frei sucht man auf den Spielplänen deutschsprachiger Bühnen vergeblich – schade, denn sogenannte Eislaufmütter, die nicht loslassen können von ihren Kindern und immer nur das Beste wollen, nehmen zu. Es nervt schlichtweg, wenn Jungen und Mädchen oft wie Prinzen und Prinzessinnen erzogen werden. Man will ja schließlich nur das Optimum für seinen Nachwuchs erreichen. Insofern traf die Inszenierung augenzwinkernd ins Schwarze!

 

... überzeugt von Minute zu Minute mehr als blinder Don - Andreas Werth

Die rund dreihundert Zuschauer wurden zwei Stunden lang ein paar Jahrzehnte zurückkatapultiert. Das muss beabsichtigt gewesen sein. Was soll auch verändert werden? Die Eltern-Kind-Problematik gilt heute wie damals. Das Bühnenbild ist mit viel Liebe zum Detail gemacht worden. Mancher im Publikum schwelgt sicher in etwas Wehmut an die Flower-Power-Zeit. Nein, hier gibt es nichts zu kritisieren! Eine moderne Inszenierung, vielleicht auf einer schwarzen Bühne, wäre am Geschmack des Auditoriums vorbeigegangen. Guter Schachzug, Herr Battermann!

Andreas Werth, der den blinden Don spielt, steigt gleich zu Beginn des Abends fast unbekleidet aus einer Blechwanne, ein leichtes Raunen geht durch den Raum. Zunächst wirkt er etwas unbeholfen. Die Rolle eines Menschen ohne Augenlicht erarbeitet er sich aber von Minute zu Minute. Ihm gelingt es mehr und mehr zwei Problematiken an diesem Abend zu vereinen, die Abkapselung von der Mutter und die Selbstständigkeit eines Behinderten. Betroffenen würde so etwas Mut machen. Spätestens beim Schlussapplaus wird er belohnt, er ist authentisch und spielt seine Rolle perfekt.

 

... v. l. Manon Straché als Übermutter, Andreas Werth als Don, Joanna Semmelrogge als Jill

Den Part der Jill hat Joanna Semmelrogge übernommen. Nicht nur optisch ähnelt sie Goldie Hawn, die die Rolle in der Verfilmung spielt und einen Oscar ergattert. Sie spielt die junge Naive mit  Hingabe und Leichtigkeit und erobert im Sturm das Publikum. Semmelrogge hat ein großes Spektrum ihres Könnens gezeigt. In der Schlussszene – kurz vorm Happy End mit Don geraten die beiden Akteure emotional aneinander. Das Naivchen wird zur Frau und erkennt das wahre Leben. Hier begegnen sich Andreas Werth und seine Bühnenpartnerin auf Augenhöhe und erzeugen Spannung und Gänsehaut zugleich.

 

Die wunderbare Manon Straché gibt die Rolle der Übermutter, nein, sie gibt sie nicht, sie ist sie, bis in die Fingerspitzen! Ihre erste Szene kurz vor der Pause ist stumm und fast der Clou der ganzen Inszenierung. Unaufgefordert betritt sie das Apartment ihres Sohnes, der sie – trotz Blindheit – am Schritt erkennt. Ihr Gesichtsausdruck über die Bude ihres Jungen ist vernichtend und reißt das Publikum zu  stürmischem Applaus hin. Im weiteren Verlauf des Abends glänzt Straché mit immenser Komik und Emotionalität. Besonders die direkte Auseinandersetzung mit ihrem Sohn lassen ihre Augen feucht werden und glänzen. Man hat den Eindruck, dass sich Spiel und Realität vermischen.

Schmetterlinge sind frei ist mehr als eine Komödie. Es gibt viel Tiefgang und ruhige Momente. Florian Battermann hat es geschafft dieses doch schwierige Genre hervorragend umzusetzen, nicht zuletzt durch eine hochkarätige Besetzung. Unbedingt sehens-und erlebenswert!

Glücklich nach der Premiere: v. l. Theaterintendant Florian Battermann, Andreas Wert, Manon Straché, Joanna Semmelrogge, Jan Felski

Fotos: Copyright Imagemoove Hannover

und Schmidt-Treptow Künstler- udn Medienkontakte

Termine:

24.08. - 09.09. 2018

12. - 15.09. und 22.09 - 23.09. und 04. - 07.10.2018 jeweils Komödie am Altstadtmarkt,

Braunschweig

Tickets

11. - 13.10.2018 Theater am Aegi, Hannover

Tickets

 

„LOVE LETTERS“ von A. R. GURNEY

Ein außergewöhnlicher Theaterabend mit LOU HOFFNER und HANSI KRAUS

Das Stück beginnt im April 1937 mit der Geburtstagseinladung von Melissa Gardner für Andrew Makepeace, dem Dritten, ihrem Mitschüler in der zweiten Klasse.
Es entwickelt sich eine dramatische Liebes - Beziehungsgeschichte. Ein Mit-, Aus- und wieder Zueinander. Sie teilen ihr Leben, fast nur schriftlich, in Form von Briefen und kurzen Mitteilungen. Und jeder versucht auf eigenen Beinen zu stehen.
Während er mit 55 Jahren ein gefeierter, erfolgreicher Anwalt und Poltiker ist, schlägt sie sich als Künstlerin eher schlecht als recht durchs Leben.
Er hat sich eine Familie mit Hund geschaffen, sie hat den Alkohol zu ihrem ständigen Begleiter gemacht. Er eher zurückhaltend und kontrolliert, sie immer exzessiv bis zum Ende?? ...

Love Letters, das 1988 uraufgeführte Stück des amerikanischen Dramatikers Albert Ramsdell Gurney, ist ein Kammerspiel der großen Gefühle und kleinen Gesten. Es gilt unter Kritikern als eines der besten amerikanischen Stücke der achtziger Jahre. Mit Scharfblick schaut Gurney hinter die Fassade von Wohlhabenheit und gesellschaftlichem Image.

Ein Stück über die Liebe, die Liebe zu Briefen, zum Schreiben und Lesen. Ein leiser, intimer, berührender Abend.

 

 

 

Anfragen und Konditionen:

- Kostenteilung der Eintrittsgelder 80 / 20 (VB) abzgl. 10 % für Verlagsrechte

- 1 Doppelzimmer, 1 Einzelzimmer

- Bühnenanweisung senden wir Ihnen gern zu

- Werbung erfolgt in Kooperation mit örtlichem Veranstalter, Plakate werden gestellt

 

 

 

**********************************************************************************************************

Bette und Joan

Manon Straché und Désirée Nick gastierten am 1.11.2016 im Wolfsburger Theater mit einem Stück von Anton Burge

_______________________________________________________________________________________________________

Im Sommer dieses Jahres wurde das Stück Bette und Joan im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht. Eine jetzt anschließende Tournee führte die beiden Hauptakteurinnen Manon Straché und Désirée Nick nach Wolfsburg. Dem Regisseur Folke Braband ist eine ausgefeilte und raffinierte Inszenierung gelungen. Die Handlung ist denkbar einfach. Zwei alternde Hollywooddiven Joan Crawford und Bette Davis erhalten noch einmal die Chance ihres Lebens als ihnen der Filmstoff Was geschah wirklich mit Baby Jane angeboten wird. Das Zweipersonenstück vermischt Fiktion, Realität und Klischees auf einmalige Weise. In zwei Stunden erlebt das Publikum wie zwei Filmstars am Set während der Dreharbeiten miteinander umgehen. Nicht nur das eigentliche Spiel auf der Bühne, vielmehr die durch Nick und Straché nachgespielten Filmszenen, die geschickt immer wieder im Hintergrund in kurzen Sequenzen eingespielt werden, rufen beim Zuschauer Gruseln hervor. Die frappierende Ähnlichkeit von Manon Straché mit ihrer Kollegin Bette Davis ist gerade in diesen Szenen außerordentlich und wohl vom Regisseur gewollt.

Die Handlung selbst ist Zickenkrieg und gnadenlose Abrechnung der beiden Stars miteinander. Manon Straché wächst mehrfach an diesem Abend über sich hinaus. Bis in die Fingerspitzen ist sie Bette Davis und zieht das Publikum in ihren Bahn. Neben ihren Fernsehrollen erlebt man hier eine große Theaterschauspielerin. Désirée Nick verblasst dagegen. Die eher als Talkgast und Dschungelkönigen bekannte Akteurin spielt eigentlich nur sich selbst. Aber hat das nicht Joan Crawford auch immer getan?

 

 

 

Foto: Timmo Schreiber

Verblüffende Ähnlichkeit mit den Originalen Désirée Nick und Manon Straché in nachgespielten Filmszenen, die im  Hintergrund des Bühnengeschehens laufen

Streckenweise hat das Stück Längen, gerade wenn Nick anfängt in ihrem verblassten Ruhm als Crawford zu baden. Die Rolle der Bette wird menschlicher gezeichnet, gerät nicht zur Kunstfigur wie die ihrer Gegenspielerin.

Ob ein Theaterstück dieser Machart noch zeitgemäß ist sei dahingestellt. Das überwiegend ältere Publikum scheint zum Teil betroffen und in den Bann vergangener Hollywoodlegenden gezogen. Jüngere Zuschauer sind an diesem Abend die Ausnahme. Insgesamt ist Bette und Joan aber perfektes Theater, das nichts Anderes als unterhalten will.

 


Datenschutzerklärung