Ein roter Faden ist nicht notwendig
Tobias Born gastierte im UNTERHAUS MAINZ
Im gut besuchten unterhaus in Mainz zeigte der Kölner Comedian Tobias Born am 28. Mai mit „FREAKS – Neue Männer braucht das Land“ sein erstes Soloprogramm – und lieferte einen Abend ab, der zwar keinen streng gezurrten roten Faden benötigte, dafür aber jede Menge Charme, Tempo und bemerkenswerte Bühnenpräsenz mitbrachte.
Born, gerade einmal 31 Jahre alt, gehört offensichtlich zu jener Sorte Künstler, die weniger auf auswendig gelerntes Abarbeiten setzen als auf das, was im Raum passiert. Und genau dort liegt eine seiner größten Stärken: die Improvisation. Immer wieder sucht er den Kontakt zum Publikum, spielt mit Zwischenrufen, spontanen Situationen und Reaktionen – und hält dabei die Fäden fest in der Hand wie ein gewiefter Marionettenspieler. Das wirkt nie hektisch oder bemüht, sondern erstaunlich souverän für ein erstes eigenes Programm.
Überhaupt scheint „FREAKS“ weniger einem klassischen Kabarett-Abend zu folgen als einer sehr persönlichen Einladung in Borns Gedankenwelt. Einen klar erkennbaren roten Faden sucht man mitunter vergeblich – aber vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe. Denn Born springt mit sichtbarer Freude von Thema zu Thema, ohne dass der Abend auseinanderfällt. Und ehrlich gesagt: Muss heute wirklich jede Bühne aussehen wie eine PowerPoint-Präsentation mit dramaturgischer DIN-Norm?
Dabei spricht Born immer wieder offen über seine Homosexualität. Nicht provokant, nicht kalkuliert schlüpfrig und erfreulich weit entfernt vom Klischee der grellen Pointe um jeden Preis. Vielmehr erzählt und erklärt er, vermittelt Erfahrungen und Beobachtungen mit einer Leichtigkeit, die angenehm unaufgeregt wirkt. Gerade dadurch entsteht Nähe. Born macht aus seiner sexuellen Orientierung weder eine Dauerpose noch ein politisches Manifest – sie ist einfach Teil seiner Persönlichkeit und damit Teil seines Programms.

Foto: Marcel Köfer
Daneben greift er herrlich alltägliche Themen auf: den seltsam unsterblichen Eierlikör etwa, der vermutlich noch jedes deutsche Buffet überleben wird, oder die bis heute bisweilen befremdliche Sexualaufklärung an Schulen. Born beobachtet genau, formuliert pointiert und trifft oft gerade deshalb ins Schwarze, weil seine Geschichten so vertraut wirken.
Optisch liebt er offenbar Glitzer, schrille Farben und große Auftritte – gleich dreimal wechselt er im Laufe des Abends das Outfit. Doch was bei anderen schnell gepflegt und einstudiert oder künstlich wirken könnte, bleibt bei ihm erstaunlich authentisch. Born wirkt nie lässig-tuntig, sondern eher wie jemand, der schlicht Spaß daran hat, sichtbar zu sein. Und dieser Spaß überträgt sich mühelos auf den Saal.
Im zweiten Teil des Programms beantwortet er Fragen aus dem Publikum, die während der Pause auf Zetteln in einer Glitzervase gesammelt wurden. Das erinnert durchaus ein wenig an Lilo Wanders – aber nun ja: Gute Ideen darf man schließlich weitertragen. Zumal Born auch hier schlagfertig bleibt und den improvisierten Charakter des Abends gekonnt fortsetzt.
Das Publikum im Unterhaus zeigte sich jedenfalls begeistert. Viel Gelächter, viel Applaus und am Ende der Eindruck, dass hier jemand auf der Bühne steht, der seinen Stil noch weiter schärfen wird, aber schon jetzt genau weiß, wie Unterhaltung funktioniert.
Von Tobias Born wird man ziemlich sicher noch hören. Und vermutlich nicht nur wegen des Glitzers.