Deutschlands größte Röhre ist für immer verstummt

 

Zum Tode von Joy Fleming

15.11.1944 - 27.09.2017

Sie war eine, die das Herz immer auf dem rechten Fleck hatte, sprach Mannheimer Dialekt in dem selbst härtere Worte fast etwas Liebenswertes haben, sie war eine große Frau, eine vollendete Sängerin, die mühelos dreieinhalb Oktaven schaffte. Aber in erster Linie war sie ein Mensch – JOY FLEMING.

Noch keine zwanzig Jahre alt, fiel ihre Stimme Experten zunächst in amerikanischen Clubs in und um Mannheim auf. Niemand konnte begreifen, dass sie keine Schwarze war. Diese Stimme konnte nur einer farbigen Sängerin gehören – weit gefehlt! Joy Fleming wird die einzige Deutsche, die je vom legendären US-Soullabel Stax einen Vertrag bekommt und dort 1973 die Single „Change It All“ herausbringt. Schlager und seichte Popmusik waren nie ihre Domäne. Als Leadsängerin der Gruppe Joy Unlimited entwickelt sie sich 1971 zur grandiosen Solistin. Sie macht den Mannheimer Dialekt salonfähig und landet 1972 mit dem "Neckarbrückenblues" ihren ersten Hit. Zusammen mit dem Jochen-Brauer-Sextet tritt sie in der ganzen Welt auf. Die höchstdotierte Auszeichnung erhält sie in Tokyo – den Outstanding Award.

Sie entsprach nie Klischees, den einen war sie zu dick, für andere sang sie zu schlichtweg zu laut, wieder andere fanden sie zu undeutsch. Aber sie blieb eine Ausnahmekünstlerin, die immer ihr Publikum fand. Auch ein Absturz beim Eurovision Song Contest konnte ihr nicht schaden. Ihr Beitrag aus dem Jahre 1975 „Ein Lied kann eine Brücke sein“ bescherte ihr den größten kommerziellen Erfolg und ist bis heute bei den Fans (OGAE) der beliebteste Beitrag, der je aus Deutschland kam.

So richtig Fahrt nahm ihre Karriere vor rund zwanzig Jahren noch einmal auf. Sie lernte den französischen Musiker und Keyboarder Bruno Masselon kennen und lieben. Anfänglich kleine Konzerte mit ihm, die sich „Joy Fleming – Duo“ nannten wurden so erfolgreich, dass Hallen immer größer wurden. Im August dieses Jahres bestritten beide noch eine Zweistunden-Performance im Kulturzelt in Braunschweig – ausverkauft.

Jetzt ist sie einfach eingeschlafen und hat uns verlassen, aber ihre Stimme lebt weiter. Dieses wunderbare Timbre, das immer wieder unendlich viel Wärme durchs Publikum trug. Wie ein guter gereifter Rotwein, nein viel besser. Ich habe eine große Freundin verloren.



 

 

 

 

 

Eine warme Welle durchströmt das Kulturzelt

Joy Fleming und Bruno Masselon gastierten am 26. August 2017 in Braunschweig

 

Sie ist eine Ausnahmekünstlerin mit einer Stimme die dreieinhalb Oktaven mit Leichtigkeit nimmt – Joy Fleming! Davon konnten sich am Samstagabend rund 600 Zuschauer im Kulturzelt überzeugen. In einem Alter in dem sich mancher gern im Ruhestand wiegt scheint die Mannheimerin erst richtig aufzudrehen. Trotz einer andauernden Knieverletzung überzeugt die Künstlerin stimmlich.

Es ist weder für das Publikum noch für die Künstlerin einfach, dass dieses Konzert überhaupt stattfinden kann. Wenige Minuten vor dem Event schüttet es vom Himmel wie aus Eimern. Der Strom fällt aus, Regentropfen durchnässen ein paar Sitze im Publikum. Eifrige Helfer sind schnell dabei alles zu richten.

Und dann geht eine stimmliche Sonne auf! Joy Fleming betritt zusammen mit ihrem Keyboarder und Lebensgefährten Bruno Masselon das Geschehen. Gleich mit dem ersten Titel „Steh auf und geh“ bittet sie das Publikum mit viel Humor zu bleiben und hat die Lacher auf ihrer Seite. Es folgen Songs wie „Mercy me“. Auch wenn der eine oder andere Zuschauer Hits wie „Ein Lied kann eine Brücke sein“ erwartet wird er nicht enttäuscht. Joy Fleming setzt auf internationale Standards und stellt einen fast intimen Kontakt zum Publikum her. „Keep on running“ bringt sie rockig über die Bühne und beweist damit einmal mehr ihr Lebensmotto: Hauptsache es fetzt. Gänsehaut erzeugt sie mit Bette Midlers „The Rose“ und einer außergewöhnlichen Intonierung.

Leider muss dem Unwetter aber doch Tribut gezollt werden. Die Tontechnik lässt hin und wieder zu wünschen übrig. Durch den Unfall des Haupttechnikers springt die Zweitbesetzung ein. Leider vergisst dieser die Show mit Lichteffekten auszustatten. Das Zwiegespräch auf der Bühne zwischen Künstlerin und Keyboarder wirkt improvisiert, macht aber auch den Charme des Abends aus. Dadurch hat der Zuhörer noch mehr den Eindruck von Nähe.

Richtig humorig wird es mit einer Spezialversion des Evergreens „Fever“, für den Joy Fleming einen Text im Mannheimer Dialekt geschrieben hat.

Ohne den berühmten „Neckarbrückenblues“ lässt das Publikum die Künstlerin nicht von der Bühne. Es gibt Standing Ovations und anhaltenden Applaus. Joy Fleming, die erstmals im Kulturzelt gastiert, ist zwar erschöpft aber glücklich über die Wärme mit der sie empfangen wurde.

 

 

Gänsehaut pur

                                                     Joy Fleming gastierte am 10. Mai 2016 im Mainzer Unterhaus

                                                              

Joy Fleming bewies am Dienstagabend im ausverkauften Mainzer Unterhaus, dass ein Konzertabend mit Soul in der Stimme das Publikum Gänsehaut pur spüren lässt.

Gutgelaunt betritt die Künstlerin mit ihrem Keyboarder Bruno Masselon und dem Gitarristen Pascal Masselon  Bühne. Schon mit den ersten Tönen ihrer, über mehrere Oktaven reichenden, Stimme gelingt es Joy Fleming einen unprätentiösen Zauber zu verbreiten. Sie gibt damit ganz klar die Richtung für diesen Abend vor. Einzig und allein die wunderbaren Arrangements von Bruno Masselon und die einzigartige Stimme der Sängerin sollen diesen Abend tragen. Bereits nach dem ersten Song hat sie die Fäden der Marionette Publikum fest in der Hand. Wirkt die Klangfarbe einiger ihrer Kolleginnen – gerade in den Höhen – oft angestrengt und nervös breitet sich bei der gebürtigen Mannheimerin Wärme aus. Die geschickten Arrangements, für die Bruno Masselon verantwortlich zeichnet, einiger Titel wie „The rose“ von Bette Midler oder „Imagine“ von John Lennon spielen mit dem  Wiedererkennungseffekt des Originals. So gelingt es Joy Fleming die Stücke zu ihrem eigenen Repertoire zu machen.

Durch einen Unfall bedingt muss der Konzertabend sitzend absolviert werden, was Joy Fleming entschuldigend erklärt. Es tut aber der Atmosphäre keinen Abbruch. Künstler und Publikum verschmelzen so noch mehr miteinander. Das Programm ist gut gemischt. Neben vielen amerikanischen Standards wie „You are the sunshine of my life“ oder einer Nummer von Michael Jackson singt die Künstlerin auch eigene Songs wie „Arbeitslos“ oder „Warten“ und setzt damit textlich kritische Akzente, die von den 260 Gästen mit viel Applaus goutiert werden.

Ohne Zugaben lässt das Publikum seinen Star nicht von der Bühne. Natürlich darf „Der Neckarbrücken-Blues“ nicht fehlen, mit dem Joy Fleming 1973 ihren ersten Hit hat und zu einer Trendsetterin in Sachen Mundart wird. Sichtlich berührt beendet die Künstlerin den Abend und muss den Zuhörern das Versprechen geben wiederzukommen. Wir freuen uns darauf!

 

            Gespannt wartet das Publikum auf seinen Star

 

J O Y   F L E M I N G    -   D U O

ein Erlebnis der besonderen Art

Diese Frau ist wie ein Vulkan! Wenn Joy Fleming ihre Stimme erhebt, gleicht das einem gewaltigen Gefühlsausbruch. Mit dieser ungeheuren Ausdruckskraft hat sie sich bundesweit Respekt erworben.
So wie Joy Fleming haben nur wenige außerhalb der USA die Blues- und Soulästhetik verinnerlicht. Ihr musikalisches Handwerk lernte Sie in den Clubs und Soldatenkneipen der US-Army, wo sie schon als 16-jährige auftrat.
1969 trat sie mit ihrer Band im Vorprogramm von Janis Joplin auf und stahl ihr die Show. Legendär wurde dann der „Neckarbrückenblues“, den die Sängerin 1971 als Zufallsprodukt bei einer Radiosession aufnahm. Es war die erste authentische Übertragung des afroamerikanischen Blues in deutsche Mundart, denn Joy sang den Song in Mannheimer Dialekt.
Doch nicht nur das, sie singt auch Opernkoloraturen, Jazz-Standards, Persiflagen oder gibt auch mal Jodeleinlagen – Joy Fleming ist fern aller Kategorien – eben eine Klasse für sich. Zugleich ist sie eine Entertainerin mit Bodenhaftung.
Jetzt begibt sie sich mit Ihrem langjährigen Partner Bruno Masselon auf Club-Tour. Das
Programm von “JOY FLEMING on TOUR mit KEYBOARDS ONLY” besteht aus einer breiten Mischung von Rock-Pop-Blues-Jazz + eigene Kompositionen.
Auch anspruchsvolle Balladen sind zu hören und alle Titel wurden gezielt für das Duo arrangiert, z.B. Imagine, Neckarbrücken-Blues, Superstition, on the beach, the old black magic, Bridge over trouble water… um nur einige zu nennen.
Aber auch a-capella wie: Papa can you hear me?


Pressestimmen zu den Duett Konzerten:


– „Kostbare Momente“ könnte man die Konzerte von Joy Fleming nennen, damit wäre nicht zu viel versprochen.


– Zusammen mit ihrem Keyboarder zieht Joy Fleming nahezu alle Register ihrer stimmlichen Möglichkeiten. Sie trifft mitten ins Herz, mit fast abenteuerlichen Improvisations-Ideen und quer durch sämtliche Oktaven verwandelt sie einen ruhigen Song in ein vokal-artistisches Kunstwerk.
 

– Gefühlvoll wird sie von Bruno Masselon am Keyboard begleitet, der mit sphärischen
Synthesizer – Klängen zusätzliche Sterne in den Nachthimmel tupft.
 

– Was vor allem Gänsehaut verursacht ist ihr glasklarer gewaltiger Mezzosopran, mit dem sie die traditionellen Lieder anstimmt, um dann allmählich in die leidenschaftliche Emphase des Souls zu fallen. Ihre Fähigkeit, den Ton auf vielfältigste Weise zu verändern und emotional aufzuladen ist das, was Joy Fleming so unverwechselbar macht und womit sie ihre Zuschauer immer wieder mitten ins Herz trifft.

 

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Über alle Brücken

von Horst Wörner

Nach über 50 Jahren Musik, Ausflügen in die Modebranche nun also ein Buch:

ÜBER ALLE BRÜCKEN – eine Biographie, die sich als Autobiographie tarnt, geschrieben von Horst Wörner.

 

Auch wenn das gesamte Buch in der Ichform geschrieben wurde, stellt der aufmerksame Fan der Sangesdiva sehr schnell fest, dass hier nicht Joy Fleming erzählt. Anfangs erscheint das kurios, steht doch  der Mannheimer Dialekt im absoluten Einklang mit der Künstlerin. Eine Joy, die sauberstes Hochdeutsch spricht, ist keine Joy Fleming.

 

Trotzdem ist das Werk lesenswert und beschreibt – wenn auch in vielen Teilen viel zu kurz und ungenau – ein ganzes Leben, das gerade in der Kindheit viele Wunden hinterlassen hat. Man hat den Verdacht, dass über den brutalen Vater längst nicht alles geschrieben wurde. Kurzweilig und lustig wird es, wenn die Sprache auf die Söhne und die Kollegen kommt. Da Joy Fleming nie ein Blatt vor den Mund nimmt, selbst aber auch konstruktive Kritik annehmen kann, gerät das Kapitel über Caterina Valente etwas ins Hässliche. Schon 1975 verkündete die große Valente auf die Frage wer einmal ihre Nachfolge antreten solle: Joy Fleming und Mary Roos!

 

Sehr emotional ist das Kapitel über Bruno mit dem die Fleming seit 15 Jahren zusammenlebt. So wie dieser Mann beschrieben wird muss es wohl tatsächlich die Liebe des Lebens sein.

Aus dem Familienalbum wurden unzählige Fotos verwendet, die das Buch aufwerten und sogar etwas Zeitgeschichte darstellen. Ob Autogrammkarten und Lobhudeleien anderer Kollegen in ein solches Werk gehören sei dahin gestellt.

Meine Befürchtungen haben sich aber leider bestätigt, ich riet ihr damals das Buch selbst zu schreiben! Ach Erna, hättest du es nur getan!